Artikel "Lernen ohne Grenze"

Artikel aus dem Nordfriesland Tageblatt vom 24. Mai 2008

Schul-Projekt: Lernen ohne Grenzen
Realschüler aus Niebüll und Bredebro arbeiteten in einem grenzübergreifenden Projekt zusammen. Das hat allen so viel Freude gemacht, dass die Schulen in Kontakt bleiben wollen.
Niebüll / ji


 Vor Beginn des Fußbalturniers: deutsche und dänische Schüler am Niebüller Schulzentrum. Foto: Ulrich Jeß


Das gab es auf der Ebene der Realschulen bislang noch nie und stellte sich auf Anhieb als ein Riesenerfolg heraus: Ein grenzüberschreitendes, dieser Tage abgeschlossenes Lernprojekt, gemeinsam gestaltet von der Bredebro Skole (Dänemark) und der Realschule Niebüll.

Thematisch kreiste das Unterrichtsvorhaben um den Komplex „Wattenmeer, Fisch und Fischerei (Vadehav, fisk og fiskeri)“, doch ging es dabei um viel mehr: zum Beispiel um die Förderung des Umgangs der beteiligten Mädchen und Jungen mit der jeweiligen Fremdsprache, das Knüpfen freundschaftlicher Beziehungen zwischen Schülern und Lehrkräften beiderseits der Grenze und um das wechselseitige Verständnis für kulturelle und spezielle schulische Besonderheiten.

Ausgegangen war die Initiative von der an der Bredebro Skole tätigen Lehrerin Elisabeth Hansen, die im vergangenen Jahr den Kontakt zur Realschule Niebüll aufnahm. Sie lud deren Klasse R 8 a mit ihren Lehrkräften – Angela Hamann und Andreas Heinsen – zu einem dreitägigen Besuch in Dänemark ein. Die Schüler sollten sich in Bredebro und auf der Insel Röm zusammen mit zwei dänischen 8. Klassen zunächst mit „Fisch und Fischerei“ befassen. Im Jahr darauf, bei einem Gegenbesuch in Niebüll, sollte das Wattenmeer in das Zentrum des gemeinsamen Unterrichts gerückt werden. Der Vorschlag wurde mit Begeisterung akzeptiert, der Aufenthalt an der Bredebro Skole schon im September realisiert. Der Gegenbesuch in Niebüll erfolgte dieser Tage mit einem umfangreichen, wiederum zweisprachig gestalteten Programm.


 Angela Hamann (RS Niebüll) nimmt das Arbeitsergebnis eines Schülerteams entgegen.


Als kommissarischer Schulleiter hieß Hans Ferdinand Sönnichsen im Physiksaal der Realschule alle am Projekt beteiligten Achtklässler und Lehrkräfte willkommen. „Wir müssen lernen, dass eine Grenze nicht ein Ende darstellt, sondern dass es dahinter weiter geht und es Nachbarn gibt, deren Sprache man erlernen, deren Kultur man verstehen und mit denen gemeinsam man viele Probleme viel besser lösen kann“, meinte er. Nach einem von den 10. Klassen vorbereiteten Frühstück befassten sich die Jugendlichen in gemischten Projektgruppen mit Theodor Storm und seiner Novelle „Hans und Heinz Kirch“. Dadurch, dass die schriftlichen Fragen und Anweisungen auf den Arbeitsbögen mal in deutscher, mal in dänischer Sprache gehalten waren, blieb den Jugendlichen gar keine Wahl, als die Aufgaben gemeinsam in Angriff zu nehmen. Nachdem sie sich in der neuen Jugendherberge einquartiert hatten, reisten die Schulklassen nach Husum weiter, wo sie das Storm-Museum aufsuchten und eine einstündige Rallye durch Husum absolvierten.

Alles, was sie bislang über Halligen, Sturmfluten und das Friesentum gelernt hatten, war am Abend „zu Hause“ Gegenstand einer Präsentation. Der folgende Tag stand ganz im Zeichen eines Ausflugs zur Hallig Hooge, der pädagogisch von Mitarbeitern der „Schutzstation Wattenmeer“ betreut wurde. Wieder nach Niebüll zurückgekehrt, stand ein Fußballturnier auf dem Programm, bei dem dänisch-deutsch gemischte Gruppen gegeneinander antraten. Später sorgte ein von Niebüller Schülern gedrehter Video-Dokumentarfilm für allgemeine Heiterkeit. Er zeigte das Interview mit einem friesisch sprechenden Einwohner der Gemeinde Risum-Lindholm, dessen Aussagen zunächst von einem Jungen ins Hochdeutsche und anschließend von einem anderen ins Dänische übersetzt wurden. Zum abendlichen Grillabend vor der Jugendherberge fand sich auch Bürgermeister Wilfried Bockholt ein, der von der allenthalben festzustellenden Harmonie zwischen den Gästen und Gastgebern sichtlich angetan war.

Kosten

Sämtliche Projekt-Kosten wurden von der von dänischen Wirtschaftsunternehmen getragenen Organisation „Schule ohne Grenzen“ übernommen. „Die Schülerinnen und Schüler haben keinen Pfennig dazu bezahlt,“ freute sich Andreas Heinsen. Die beiden am grenzüberschreitenden Unterrichtsprojekt beteiligten Schulen wollen sich um Fortsetzung ihrer Kontakte bemühen.